| Bernd
Glaser
Bernd Glaser hat seine Arbeit als Zeichner seit
einiger Zeit vom Papierbogen in den Computer verlagert.Die
Graphitmine der Anfangszeit hat er inzwischen weitgehend gegen
Stift und elektronisches Zeichenbretteingetauscht. Softwareunabhängig
und damit emanzipiert von den Beschränkungen der klassischenVektorgraphik,
hat er den 1 Pixel starken Strich für sich entdeckt.
In unzähligen Arbeitsschritten verdichten sich dünne
Linien langsam zu einem Bild. Allmählich tauchen auf
dem Bildschirm gezeichnete Figuren undObjekte auf, die in
einem immateriellen Raum „modelliert“ werden,
der - mal abgesehen von derSpeicherkapazität des Rechners
- keine Beschränkung kennt. Sich beim Zeichnen technischer
Mittel zubedienen heißt für Glaser, den Computer
in seiner allgemeinsten, immer noch werkzeughaften Definition
zu nutzen. Er ist kein Technik-Freak, der digital manipulieren
oder Bilder in eine völlig neue Form transfor-mieren
will. Und weil das Motiv nicht per Mausklick, sondern ganz
traditionell mit dem Stift entsteht, trägtdas Resultat
noch immer unverkennbar die Handschrift des Urhebers.
Bernd Glaser zeichnet bevorzugt Körper und Figuren, fängt
Posen und Gesten ein und neigt zu einer erzäh-lerischen
Idealisierung seiner Protagonisten. Er arbeitet ausschließlich
in Schwarz/ Weiss und verzichtet stetsauf einen gezeichneten
Bildraum. Der instrumentelle Umgang mit der Technik eröffnet
neue ästhetischeSpielräume. Die Digitalzeichnung
bietet nicht nur die Möglichkeit zur Korrektur, zum Löschen
und Radieren. Das Verfahren der Montage erlaubt es, Elemente
in einem anderen Zusammenhang auftauchen zulassen und mit
hybriden Formen zu spielen. Zudem lassen sich am Computer
erzeugte Datensätze beliebigkonfigurieren und Signale
flexibel auf ein (Ausgabe-) Medium übertragen. Glaser
hat eine Vorliebe, seineMotive im Format 1:1 abzubilden. In
Anlehnung an die Fotografie hat er sich für die digitale
Reproduzierbarkeit seiner Bilder in kleiner Auflage entschieden.
Bernd Glaser, Jahrgang 1966, hat an der Akademie der Bildenden
Künste in Nürnberg studiert und seineAusbildung
an der Kunstakademie in Düsseldorf beendet. Er lebt und
arbeitet in Düsseldorf.
Andrea Schmidt, im Februar 2007
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