| Fersen
und Weissköppel
Manuela Fersen und Michael Weissköppel gibt es als Künstler
nur im Doppelpack. So sehr die Organisationsstruktur einer
Künstlerkooperation Arbeitstechnik und Resultat bestimmt,
so müßig ist es, sich vor den Arbeiten die Nase
platt zu drücken, um Gewißheit zu bekommen, wer
von den beiden für welchen Teil der Arbeit verantwortlich
zeichnet. Gemeinsam entwickelt und im Laufe der Zeit perfektioniert
haben die beiden etwas, das sie “installierte Malerei”
nennen. Dahinter verbirgt sich der Wunsch, gemalte Bilder
herzustellen, die als Einzelmotive funktionieren und gleichzeitig
Teil einer begehbaren Raumgestaltung sein können. Damit
das funktioniert, mussten neue Bildformen gefunden werden.
Fersen und Weissköppel schufen unteranderem sogenannte
“Cut Out´s”. Eine Art Aufsteller, der sich
flexibel im Raum platzieren lässt und als Element die
Szenerie auch inhaltlich bereichert. Um den installativen
Charakter zu unterstreichen, entstehen außerdem aus
Holzlatten gefertigte Raumteile. Eine Mischung aus mobiler
Plakatwand und - je nach thematischer Ausrichtung des Ensembles
- architektonischem Detail einer Fertighauskonstruktion.
Die Arbeiten selbst haben etwas Abbildhaftes, Anschauliches.
Und doch spürt man etwas Unpersönliches in der Motivwahl,
in Dar- und Zusammenstellung. Es gibt keine Typografie von
Stadt oder Natur. Und der relativen Ortlosigkeit der Szenen
entspricht die Darstellung von Personen, die so aussehen,
als seien sie in irgendeinen Raum hineingebeamt worden. Man
hat den Eindruck, als würden die Künstler mit fiktiven
Mitteln auf Konkretes zielen. Und plötzlich fällt
auf, dass sich gegenständliche und ungegenständliche
Positionen vom Ansatz her gar nicht sonderlich voneinander
unterscheiden müssen. Dass die Elemente, die da zu Bildern
arrangiert werden isoliert, nüchtern und fast schon dokumentarisch
wirken, hängt tatsächlich mit der Arbeitsweise zusammen.
Es sind im weitesten Sinne Medienbilder mit denen hantiert
wird. Wobei das überwiegend fotografische Ausgangsmaterial
sowohl eine anonyme, bereits existente Amateuraufnahme sein
kann, irgendeine triviale Alltagsszene, oder ein eigens für
den Kontext hergestelltes Foto, ein Abbild dessen, was den
beiden Künstlern zuvor im Kopf herumgegeistert ist. Bei
der Übertragung in Malerei verbinden sich diese Erinnerungsfetzen
mit nachträglich assoziierten Details. Nie wird eine
Bildvorlage als Ganzes realisiert. Ist auch nicht nötig.
Schließlich reicht das (Bild-) Archiv der beiden noch
für eine Menge intermedialer Recherche über das
Wesen und die Mechanismen der Wahrnehmung.
Manuela Fersen und Michael Weissköppel sind beide 1969
geboren. 2004 haben sie ihr Studium an der HBK in Braunschweig
als Meisterschüler von John M. Armleder abgeschlossen.
Andrea Schmidt, im November 2006
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