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ALL
YOU NEED
Bilder, Zeichnungen und
Objekte
Die FAZ lobt in einer
Rezension im Juli 2005 Doubrawas Scherenschnitte, die
im Rahmen der "papier = kunst 5"- Ausstellung
im Aschaffenburger Kunstverein zu sehen waren, als eine
der interessantesten Arbeiten und die Neue Galerie der
Staatlichen Museen Kassel zeigt ab dem 02. September,
unter dem Titel "Auf
meinem Weg ins Paradies",
seine bisher größte PVC-Arbeit. Eine 4 mal
14 Meter große Bodenarbeit.
Neue Arbeiten aus der Serie ALL YOU NEED
Der Titel der Ausstellung in der Schmidt Galerie klingt
wie das verheißungsvolle Angebot aktueller Versandkataloge.
Tatsächlich offeriert Reinhard Doubrawa mit seinem
intermedialen Dialog zwischen Objekt und Installation,
Zeichnung und Papierschnitt, so etwas wie eine strukturierte
Ansammlung spezifischer Gegenstände. Dabei erinnert
nichts an die muffige alte Welt eines Quellekatalogs.
So wird das Konsumieren von Bildern völlig losgelöst
von der klassischen Warenwelt, bei der die Nachfrage
bestimmt, was zu einem Ladenhüter verkommt oder
zum Verkaufsrenner wird. Doubrawas künstlerische
Waren -und Wertekategorie weckt keinen Bedarf.
Informationsrecycling statt populärkultureller Ikonographie
Kritisch beäugt er stattdessen die Alltäglichkeiten
unseres modernen Lebens, den unüberschaubaren Informationswust
stets im Blick. Fast ist man geneigt, sein Sammeln von
Eindrücken und die daraus resultierende Übertragung
von Leben in Kunst als "Informationsrecycling" zu
bezeichnen. Da kann es schon mal vorkommen, dass Doubrawa
bei der Wahl der Mittel und Materialien zu Lackleder,
Dekorstoffen und PVC-Bodenplatten greift, sich ebenso
gut aber von (vergänglichen) medialen Bildern anregen
lässt und diese in Bleistift -oder Federzeichnungen,
manchmal sogar in feine Scherenschnitte aus weißem
Papier überträgt.
Das Interesse an medialen Bildern oder: welche Inhalte
transportiert eigentlich ein Motiv?
Weil er die reine
Information abbilden will, gleichzeitig aber die Lesbarkeit
seiner Bilder und Objekte gewährleisten möchte,
sind Schrift und Text wichtige Bestandteile seiner Arbeit.
Jedoch sucht man vergebens nach dem gewohnten Kontext,
wenn Textpassagen und Bildüberschriften aus Nachrichtenmagazinen
plötzlich ohne das gedruckte Bild funktionieren,
auf das sie in der ursprünglichen Fassung einmal
hingewiesen haben. Ob einem das gefällt oder nicht:
auf diese Weise wird selbst erlebter Schmerz, angesichts
einer Katastrophe, ebenso zur zitierbaren Information
wie eine Wunschvorstellung, die in eine Gegenwart hineinprojiziert
wird, die nichts Reales an sich hat. Da die Setzung des
Künstlers wohlüberlegt über die Auswahl
der Motive und deren Platzierung entscheidet und das
künstlerische Resultat (egal ob genäht, gezeichnet,
gebaut oder geschnitten) obendrein durch seine virtuose
handwerkliche Perfektion besticht, ist die emotionale
Ansprache des Künstlers überaus glaubhaft.
Wenn der Blick auf den kleinen, aus PVC-Intarsien gefertigten
(Reliquien-) Schrein mit den eingearbeiteten Versalbuchstaben
das Wort rescue erkennen lässt, wird klar, dass
die präsentierten Arbeiten tatsächlich dem
Vergessen entrissen werden sollen. Mit bloßem Hang
zum Ornamentalen hat das nichts zu tun.
Andrea Schmidt, im August 2005
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