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12/05: 02.06 - 15.06.

Klein gewesen sein
Kindheitsidyll und alltäglicher Wahnsinn in der Schmidt-Galerie
Wie es war, klein gewesen
zu sein? Uli Knörzer, Jahrgang 1975, hat Freunde
und Kommilitonen gefragt, welche Situationen sie erinnern.
Die realistischen Zeichnungen, die danach entstanden
sind, erzählen vor allem gut von dem Gefühl
der Fremde, dem Sich-nicht-zu Hause-Fühlen in einer
Welt, von der alle anderen so tun, als wäre sie
selbstverständlich. Leer und weit dehnt sich der
Raum um das Mädchen, dem vor dem Notenpult eine
Flöte in die Hand gedrückt wird. Die kleine
Schwester als Testobjekt, an man dem die eigene Größe
und Stärke maß. Auch das findet sich wieder,
in dem Bild des Jugendlichen auf der Couch, der seine
kleine Schwester auf das schmale Bord im Flur gehoben
hat, wo sie nun wie angenagelt steht und sich nicht zu
rühren traut. Das sind nicht die Geschichten mit
den Pointen, die im Nachhinein so gern erzählt werden,
sondern mehr die nicht erzählbaren Augenblicke,
die mit absurder Genauigkeit irgendwo gespeichert sind.
Die SchmidtGalerie zeigt Knörzers trockene Zeichnungen
zusammen mit Digitalcollagen von Silke Bartsch, die den
Blick auf
die Kinder unbefangener richtet. Bei ihr ist die Welt
der Kinder viel eher eine durch das eigene Spiel gestaltete,
in der die Vorstellungskraft der Spielenden ebenso viel
Recht hat wie die vorgefundenen Dinge. Die Kinder in
Knörzers Zeichnungen dagegen empfinden, was sich
die Erwachsenen für sie als Kinderspiel ausgedacht
haben, öfters als Zumutung und sind empört über
diese unsinnigen Regeln.
Katrin Bettina Müller
Kindheitsidyll und alltäglicher
Wahnsinn
Schmidt-Galerie, Max-Beer-Straße 13, Mitte
Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr, bis 10.7.2005
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